Was bedeutet der Wandel zu einer multiethnischen Gesellschaft?

Am Anfang des Jahres wurde in den Tagesthemen fast beiläufig der folgende Satz ausgestrahlt:

dass wir hier ein historisch einzigartiges Experiment wagen, und zwar eine monoethnische und monokulturelle Demokratie in eine multiethnische zu verwandeln. Das kann klappen, das wird, glaube ich, auch klappen, dabei kommt es aber natürlich auch zu vielen Verwerfungen.

Mal davon abgesehen, dass selbst der hier zitierte Politikwissenschaftler Yascha Mounk den Erfolg des von ihm beschriebenen Experiments nicht garantierten kann, was bedeutet das überhaupt?

Wahr sind wohl zwei Dinge.

  1. Deutschland ist eine multiethnische Gesellschaft geworden und das lässt sich nicht rückgängig machen.
  2. Die Bevölkerung wurde nie gefragt, ob sie dieses Experiment versuchen will.

Doch beginnen wir erstmal damit zu fragen was Herr Mounk denn meint wenn er von einer multiethnischen Demokratie spricht und was seine Aussage offen lässt.

Eine multiethnische Demokratie ist schlicht eine Demokratie, in der Menschen unterschiedlicher Herkunft leben.
So spricht Mounk davon, dass eine monoethnische und monokulturelle Demokratie sich ändert. Er lässt jedoch weg, ob sich diese auch in eine multikulturelle Demokratie wandelt oder monokulturell bleibt.

Je nach dem ändern sich die Konsequenzen drastisch.

Angenommen, Deutschland wandle sich in eine multiethnische aber monokulturelle Demokratie, hätte dieses Folgen, die es zu berücksichten gilt.

Eine multiethnische Gesellschaft sieht sich aufgrund der Natur des Menschen, insbesondere, wenn diese Gesellschaft, wie im Falle Deutschlands, multiethniesch aufgrund von Zuwanderung wird, immer mit Rassismus konfrontiert.
Menschen werden wohl immer zwischen WIR und DIE unterscheiden, auch wenn Erziehung und Kultur wirksam aufklären können.

Exemplarisch, sei der Fall in Berlin, genannt bei welchem Briten afrikanischer Herkunft, durch die Polizei, aus einem McDonalds geworfen wurden.

  • In einer monoethnischen Gesellschaft würde wohl kaum auf dieses Ereignis eingegangen werden, denn die Polizei setzte lediglich das Hausrecht durch und blieb somit innerhalb ihrer gesetzlichen Befugnisse. Die Idee, es könnte sich um eine rassistisch motivierte Tat handeln, kommt gar nicht erst auf, da es innerhalb der Bevölkerung schlicht nicht genug Fürsprecher für diese Theorie gäbe.
  • In einer multiethnischen Gesellschaft kann dieses Ereignis jedoch nicht mehr so objektiv betrachtet werden. Denn, auf Grund der in der Gesellschaft lebenden Personen afrikanischer Herkunft, bildet sich ein Solidarisierungseffekt. Auch wenn zu der Situation nichts bekannt ist, ist das ethnische Zusammengehörigkeitsgefühl höher als das Vertrauen in die Polizei (Blut ist dicker als Wasser). Dieses führt zu dem Verdacht, dass entweder die Polizei oder der Betreiber des McDonalds, aus rassistischen Gründen, gehandelt hat.

Und um klar zu stellen, es könnte durchaus Rassismus gewesen sein, was in Berlin passierte. Entscheidend für diese Betrachtung ist jedoch, dass der Vorwurf des Rassismus eine Konsequenz der multiethnischen Gesellschaft ist.

Eine weitere Folge ergibt sich daraus, dass der Wandel durch Zuwanderung erfolgt. Es gibt also innerhalb der Gesellschaft eine Gruppe, die bereits vor der Umwandlung der Gesellschaft, dort lebte. Änderungen in der Lebensweise dieser Gruppe sind besonders schwer zu erreichen, da diese Gruppe einen gewissen Bestandsschutz für ihre Lebensweise einfordern kann.
Im Unterschied zu den klassischen Einwanderungsländern wie den USA, Kanada oder Australien, sind die Ureinwohner nicht durch einen Genozid beinahe völlig ausgerottet worden. Somit müssen sich fast alle Einwohner dieser klassischen Einwanderungsländer damit abfinden, in etwa zeitgleich in dieses Land gekommen zu sein, was eine Diskussion auf Augenhöhe ermöglicht. In Deutschland kann diese Diskussion nicht auf Augenhöhe geführt werden, da die indigene Bevölkerung ja noch existent ist.

Als drittes, ergibt sich aufgrund der Multiethnizität das Problem, das die Herkunftsländer der anderen Ethnien versuchen, Einfluss/Kontrolle, durch oder über die ehemaligen Angehörigen ihrer Staaten, auszuüben. Immer gut zu sehen beim Wahlkampf in der Türkei oder der Diskussion über die Beziehungen Deutschlands zu Russland.

Und zuletzt bleibt die Problematik, das eine multiethnische aber monokulturelle Gesellschaft ihre Monokultur permanent verteidigen muss. Denn hier wird als Konsequenz des Einflusses der Herkunftsländer auch durch diese versucht, die Monokultur durch die Kultur des Herkunftslandes zu ersetzen oder in deren Sinne abzuwandeln.

Noch schwerwiegender sind die Konsequenzen, wenn nicht nur eine multiethnische, sondern auch eine multikulturelle Demokratie, das Ziel sein soll.

Denn, dann kommen zu den bereits oben beschriebenen Problemen, noch weitere hinzu.

Ein Kultur umfasst eine gemeinsame Identität, Sprache und Wertesystem. Die, wenn mehrere innerhalb einer Gesellschaft existieren, immer in Konkurrenz zu einander treten. Diese Konkurrenz ist in ihrer Intensität von der Unterschiedlichkeit der betroffenen Kulturen abhängig.
Platt formuliert, werden Engländer und Belgier sicherlich, sofern sie in einem Land leben, darüber diskutieren, welche Sorte das beste Bier ist, aber sich bei Bier, auf das beste Getränk, einigen können. Während ein Inder und ein Argentinier große Probleme bekommen, wenn es darum geht, ob vegetarisches Essen oder ein Rindersteak, ein besseres Abendessen ist.

Wie das letze Beispiel zeigt, können unterschiedliche Kulturen enormen Sprengstoff bergen. Dies kann zu Streitgesprächen, aber auch Gewalt, bis hin zu Terrorismus führen. Was wieder davon abhängig ist, welche Kulturen aufeinander treffen.
Und wer dies überzogen findet, der sollte nicht vergessen, dass es kein Land gibt, in welchem es eine friedliche Koexistenz unterschiedliche Kulturen gibt. Selbst der „aufgeklärte“ Westen hat in Nordirland, Katalonien, Flandern,… genug Beispiele.

Ein Teilaspekt dieses Kulturkampfes ist auch die Einstellung einer Kultur zu einer Regierungsform. Denn, wie oben gesagt, soll ja versucht werden, eine multikulturelle Demokratie zu schaffen. Was aber wenn Demokratie und Rechtsstaat nicht Teil einer der dortigen Kulturen ist? Dies würde wieder zu enormen Spannungen führen.

Als Teil dieser unterschiedlichen Kulturen, wandern auch die jeweiligen Konflikte dieser Kultur, ob jetzt historisch oder aktuell, ein. Was wir ja sehr deutlich an der Auseinandersetzung zwischen Kurden und Türken feststellen können. Oder zuletzt zwischen Arabern und Juden.

Dieses Experiment, der Umwandlung einer monoethnischen und monokulturellen Demokratie in eine multiethnische, hätte, also mit dem Hinweis auf die oben aufgeführten Risiken, dem Bürger, zur Abstimmung, gebracht werden müssen.

Dies wurde wohl vorsätzlich nicht getan, und die Frage, ob wir multiethnisch werden wollen, hat sich erübrigt, denn es lässt sich nicht mehr ändern.

Die Frage ob wir eine mono- oder multi- kulturelle Gesellschaft haben wollen, ist noch nicht entschieden, und sollte durch jeden mit Nachdruck betrieben werden, bevor es auch dort keinen Entscheidungsspielraum mehr gibt!

Denn, selbst wer für eine multikulturelle Gesellschaft ist, sollte so weit Demokrat sein, dass eine solche Entscheidung durch die Bevölkerung und nicht durch Strippenzieher in den hinteren Besprechungsräumen von 5 Sterne-Hotels getroffen werden muss.

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